Neue Arbeitsmodelle: Beispiel Jobsharing

Jobsharing als flexibles Arbeitsmodell

Für Coworker ist flexibles Arbeiten selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitsalltags. Sie wählen nicht nur den Arbeitsort so aus, dass er bestmöglich zur aktuellen Lebenssituation passt, sondern passen auch die Arbeitszeiten den individuellen Bedürfnissen an. Eine neue Form des flexiblen Arbeitens ist das Jobsharing. Dieses Arbeitsmodell ist allerdings in der Realität des gegenwärtigen Berufslebens noch recht wenig verbreitet. Deshalb möchten wir an dieser Stelle einmal genauer beleuchten, was es damit auf sich hat und welche Vor- und Nachteile ausgemacht werden können.

Tandems und Doppelspitzen

Jobsharing bedeutet, dass sich zwei Menschen eine Position teilen. Beide arbeiten also in Teilzeit und teilen sich die Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die die Stelle mit sich bringt. Darum spricht man in der Praxis auch von Tandems. Beim Software-Hersteller SAP ist dieses Modell schon vor einigen Jahren eingeführt worden - zeitweise war sogar die Unternehmensführung mit einer Doppelspitze besetzt. Nun möchte SAP das Prinzip weiter fördern und schreibt alle Stellen als Jobsharing-geeignet aus.

Gut für die Work-Life-Balance

Der Hintergrund ist, dass sich immer mehr Arbeitnehmer ein Mehr an Flexibilität wünschen, um Arbeit und Privatleben möglichst gut miteinander verbinden zu können – Stichwort Work-Life-Balance. Auf diese gestiegenen Ansprüche der Arbeitnehmer beginnen Unternehmen nun allmählich zu reagieren. Einerseits um attraktiv zu sein für neue Bewerber, andererseits aber auch, um gute Mitarbeiter weiterhin an das Unternehmen zu binden.

Jobsharing-Partner über Plattformen finden

Deshalb richten Unternehmen wie Bosch oder SAP Online-Plattformen ein, die wie Partnerbörsen funktionieren und wo sich zwei Menschen mit den gleichen beruflichen Interessen verbinden und ein Tandem bilden können.

Das Modell bei Bosch

Bei Bosch haben sich bereits 1.600 Mitarbeiter auf dieser Plattform registriert. Die Modelle, die Bosch dabei anbietet, reichen von einer 50:50-Teilung bis hin zu „asymmetrischen“ Modellen, bei denen die Mitarbeiter einen bestimmten Prozentsatz in eine geteilte Position einbringen. Um Übergaben zu vereinfachen, lässt Bosch beim Jobsharing bis zu 120 Prozent auf einer Stelle zu.

Jobsharing bei der Bahn

Im Rahmen ihrer aktuellen Personaloffensive sucht auch die Bahn dringend nach neuen Mitarbeitern. Da moderne Arbeitszeitmodelle ein wichtiges Argument sind, um attraktiv für gute Bewerber zu sein, ermöglicht auch die Bahn Jobsharing. So teilen sich die beiden Bahn-Managerinnen Carola Garbe und Catherine-Marie Koffnit seit gut einem Jahr die Stelle der Personalleiterin des Regionalbereichs Ost bei der DB Netz, wie die Wirtschaftswoche in ihrem Artikel zum Thema Jobsharing berichtet. Die beiden arbeiten jeweils 60 Prozent und wechseln sich wochenweise ab. Montags organisieren sie ihre Übergaben.

Etablierte Arbeitnehmer zögern teilweise

Auch bei Beiersdorf ist vor einiger Zeit eine vergleichbare Tandembörse gelauncht worden. Allerdings haben sich über diese erst fünf Tandems gebildet, wie im Magazin Capital in einem Artikel über moderne Arbeitswelt zu lesen ist.

Skepsis im mittleren Management

Vorbehalte gegen das Modell des Jobsharing gibt es vor allem in der mittleren Führungsebene, wo viele Mitarbeiter Führung und Verantwortung immer noch mit langen Arbeitszeiten gleichsetzen. Diese Vorurteile abzubauen, scheint also gar nicht so einfach zu sein.

Die Kosten für den Arbeitgeber

Und was spricht aus Arbeitgebersicht gegen Job-Tandems? Unternehmer führen oft die hohen Kosten ins Feld, denn zwei Teilzeitmitarbeiter sind in der Regel teurer als ein Vollzeitmitarbeiter. Ein weiterer Aspekt, vor dem viele Arbeitgeber scheuen, ist die Herausforderung, Arbeitsinhalte und Resultate eindeutig zuzurechnen.

Wissen weitergeben und erhalten

Den Vorteil des Jobsharings sieht man bei der Bahn vor allem in einem Generationen-Modell. So will das Unternehmen darauf hinarbeiten, dass sich ein älterer und ein jüngerer Mensch einen Arbeitsplatz teilen und auf diese Weise viel Wissen von der älteren an die jüngere Generation weitergegeben werden kann. Und Wissen und Kompetenzen im Unternehmen zu halten, kann sich schließlich auch materiell wieder lohnen.

 

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