Coworking - welchen Nutzen hat das für Freiberufler?

Freiberufler können vom Coworking profitieren

Peter Ansberger* ist seit über fünf Jahren freiberuflicher Grafikdesigner in Berlin. Die Geschäfte laufen nicht schlecht – er arbeitet für verschiedene Verlage, künstlerische Institutionen und einige Plattenfirmen. Aber lange hat er mit der Organisation seiner Tätigkeit gehadert: Von seiner kleinen Wohnung am Alexanderplatz aus arbeitete er und bemerkte, wie ihm die Heimarbeit zunehmend Probleme in puncto Motivation und Konzentration bereitete. Erst, als er sich auf die Empfehlung eines Freundes hin einen Büroplatz in einem Coworking Space mietete, begann seine Zufriedenheit mit der selbstständigen Arbeit zu steigen.

Motivation und Leistungssteigerung

Diese positiven Effekte auf die Arbeitszufriedenheit und -qualität belegen auch einige Studien. So sind Arbeitsforscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA im Rahmen einer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass Menschen, die oft und intensiv den Austausch mit anderen Kollegen nutzen, kreativer in ihrer Arbeit werden.

Dabei geht es gar nicht mal darum, dass alle Kollegen im gleichen Beruf oder am gleichen Projekt arbeiten: Alleine schon die Anwesenheit anderer Bürogenossen kann motivierend wirken. Ihre Erfolgserlebnisse und ihre Arbeitsresultate strahlen positiv auf die übrigen Bürokollegen aus. So können Freiberufler, die in Coworking Spaces arbeiten, sich gegenseitig pushen und zu besseren Leistungen motivieren. Dieses Phänomen ist unter Personalmanagement- und Arbeitsforschern als „Peer-Effekt“ bekannt.

Zufriedenheit und Zugehörigkeit

Diesen Effekt bemerkte auch Peter an seinem neuen Büroplatz: Das Gefühl der Isolation und des Einzelkämpfertums, das er früher bei seiner Arbeit von zu Hause aus verspürte, war verschwunden. Mit einem neuen Gemeinschaftserlebnis und einem Gefühl der Zugehörigkeit motivierten er und seine Coworking-Kollegen sich gegenseitig und teilten ihre Erfolgserlebnisse. Dass diese positiven Gemeinschaftserlebnisse die Arbeitszufriedenheit und -motivation steigern, haben auch Forscher des Fraunhofer Instituts in ihrer Studie Faszination Coworking belegt.

Klare Grenzen

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil, den Coworking Spaces für Freiberufler bieten, ist die räumliche Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Als Peter Ansberger noch von zu Hause in seiner kleinen Wohnung am Alexanderplatz arbeitete, hatte er oft das Gefühl, beruflich nie wirklich abschalten zu; die Arbeit war irgendwie immer präsent. Erst mit dem Umzug in den Coworking Space gelang es ihm, zwischen Arbeits- und Freizeit wieder besser trennen zu können. Diese klaren Grenzen, die bei der Entwicklung einer ausgeglichenen Work-Life-Balance helfen, tragen sehr zur Zufriedenheit bei, wie viele Freiberufler und Selbstständige bestätigen werden.

Bewegungsfreiheit

Für Freelancer, die für viele verschiedene Kunden arbeiten, bietet ein Coworking Space zudem einen Gewinn an Flexibilität: Ohne sich starr an ein festes Büro zu binden, ist es ihnen möglich, bei Bedarf auch kurzfristig bei einem Kunden vor Ort zu arbeiten, und sich im Coworking Space nur für die Tage einzumieten, an denen es wirklich benötigt wird. Dieses Plus an Bewegungsfreiheit wissen gerade Freiberufler mit einem wechselnden Kundenkreis sehr zu schätzen. Auch für Selbstständige, die für Kunden in verschiedenen Städten arbeiten, ist es angenehm, auf die Infrastruktur verschiedener Coworking Spaces an den jeweiligen Orten zurückgreifen zu können. So entfällt die aufreibende Suche nach geeigneter Büro-Ausstattung, wie Schreibtisch und Arbeitsstuhl sowie Internetanbindung, da all dies immer vorhanden ist – egal, bei welchem Anbieter man sich gerade einmietet.

Kooperationen und Synergien

Ein sehr gewichtiger Vorteil von Coworking Spaces sind auch die großen Möglichkeiten der Vernetzung und Community-Bildung: Gewinnt ein Freiberufler einen neuen Auftrag, ist er oft auf die Hilfe weiterer Spezialisten angewiesen. So braucht ein Grafiker häufig die Unterstützung eines Programmierers, eines Fotografen oder eines Sound Designers, um einen kompletten Auftrag abwickeln zu können. Die Chance, auf kompetente Kollegen aus verschiedenen Disziplinen zurückgreifen zu können, macht die Bürogemeinschaften zusätzlich reizvoll und zu einer potenziellen Jobmaschine. Außerdem können sich hier verschiedene Freelancer unkompliziert zu einem Netzwerk zusammenschließen und um größere Aufträge pitchen, für die sie sich als Einzelkämpfer vielleicht gar nicht qualifiziert hätten. Das kann auch helfen, die anspruchsvolle Akquise-Arbeit zu verbessern, zu professionalisieren, zu verstärken und gleichzeitig für den Einzelnen zu erleichtern.

Die Mischung macht’s

Blickt man auf all die genannten Aspekte, so lässt sich zusammenfassen, dass die Reize des Coworkings in seinem einzigartigen Mix liegen: Freiheit, Flexibilität und Unabhängigkeit lassen sich mit Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit, Zufriedenheit und Motivation sowie Synergieeffekten und neuen Jobchancen, wie dem Gewinnen von zusätzlichen Aufträgen und Kunden, kombinieren. Diese spannende Mischung macht die große Anziehungskraft eines Coworking Spaces aus.

Hier im Blog stellen wir jeden Monat Office Club-Mitglieder vor. Darunter sind viele Freiberufler oder auch Angestellte, die zumindest teilweise selbstständigen Projekten nachgehen. Eine gesonderte Unterseite zum Thema Freiberufler findest du auch hier.

 

*Name geändert.

Kommentare (1)

  1. Felix Wellhof
    Felix Wellhof am 06.04.2017
    Den Peer-Effekt kann ich persönlich absolut bestätigen! Guter Artikel.

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